Unterschriftenlisten für die Petition liegen in der SPD Geschäftsstelle aus!
Mit Regierungsübernahme hat die schwarz-gelbe
Bundesregierung einen Angriff auf unser solidarisches Gesundheitswesen
gestartet. Ihr Ziel: Die – Jahrzehnte lang bewährte – solidarische
Krankenversicherung, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam tragen,
soll durch eine unsoziale Kopfpauschale abgelöst werden. Verlierer
werden Millionen von gesetzlich Versicherten sein, die weniger
medizinische Leistungen erhalten werden und dafür noch auf finanzielle
Unterstützung vom Staat angewiesen sind. Gewinner sind gut verdienende
Privatversicherte, die sich aus der gesellschaftlichen Solidarität
verabschieden.
Auf dem Weg in die Drei-Klassen-Medizin
* Die Kopfpauschale hat Schwarz-Gelb
bereits im Koalitionsvertrag vereinbart. Alle Versicherten sollen den
gleichen Betrag bezahlen, unabhängig von ihrem Einkommen. Besonders
belastet werden die Bezieher mittlerer und kleiner Einkommen sowie
Arbeitslose und Rentnerinnen und Rentner. Die Union kehrt damit
unmissverständlich zu ihrem marktradikalen Kurs des Leipziger
Bundesparteitags von 2003 zurück.
* Mit der Kopfpauschale zielt Schwarz-Gelb
auf das Kernelement unseres bewährten Gesundheitssystems: Die
solidarische Krankenversicherung, bei der Gesunde für Kranke und Starke
für Schwache einstehen und alle die gleichen medizinischen Leistungen
erhalten. Statt dessen gehen FDP und Union den Weg in die Drei-Klassen-Medizin:
"Holzklasse" für Arme, gute Versorgung mit privatem Aufschlag für
diejenigen, die es sich leisten können, und Luxusklasse für Reiche.
* Hohe Kostensteigerungen bei Medikamenten und Ärztehonoraren, immer
längere Wartezeiten bei Fachärzten für gesetzlich Versicherte, zum Teil
fragwürdige Therapien: Es gibt genug Fragen und Probleme, die eine
verantwortungsvolle Gesundheitspolitik in Angriff nehmen müsste. Statt
dessen "erfreut" Schwarz-Gelb ihr vermeintliches Wählerklientel aus Pharma-Lobby, Ärzte- und Apothekerschaft mit Geschenken und Vorteilen.
* Zu den Klientelgeschenken kommen fragwürdige Personalentscheidungen
hinzu. Der stellvertretende Verbandschef der privaten
Krankenversicherung wird zum Leiter der Grundsatzabteilung im
Bundesgesundheitsministerium berufen. Der international angesehene
Leiter des wichtigen "Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen", Prof. Dr. Peter Sawicki, bekannt wegen seiner
kritischen Haltung gegenüber der Pharmaindustrie, erhält keine
Vertragsverlängerung.
* Weil den Krankenkassen vor allem die Kosten für Ärztehonorare und
Arzneimittel aus dem Ruder zu laufen drohen, müssen einige Kassen
sogenannte "Zusatzbeiträge" für die Versicherten einführen. Unter SPD-Verantwortung wurden die Gesundheitskosten konsequent eingedämmt, um gerade diese Zusatzbeiträge zu vermeiden.
Zusatzbeiträge – der erste Schritt zur Kopfpauschale
Seit Anfang des Jahres kündigen immer mehr Krankenkassen die
Erhebung von Zusatzbeiträgen an, die allein die Versicherten zahlen
müssen. Diese Zusatzbeiträge sínd Folge der Klientelpolitik von Schwarz-Gelb.
Wenn die Bundesregierung den Ausgabenanstieg zum Beispiel bei Ärzten
und Arzneimitteln begrenzen würde, ließen sie sich leicht vermeiden.
Die gesetzlich Versicherten müssen jetzt die Zeche für die
Wahlgeschenke von Schwarz-Gelb zahlen.
Die "Geschichte" der Zusatzbeiträge
Diese Zusatzbeiträge sind eine Folge der Gesundheitsreform von 2006, der auch die SPD zugestimmt hat.
* Allerdings sind die Zusatzbeiträge damals nur auf Druck der
Unionsparteien beschlossen worden. Die SPD wollte die Einführung der
Bürgerversicherung, in die alle einzahlen müssen. Die Union wollte die
Kopfpauschale.
* Der Kompromiss zwischen diesen beiden Positionen war der
"Gesundheitsfonds" mit gerechten, prozentualen Beitragssätzen für alle.
CDU/CSU bestanden allerdings darauf, dass die Krankenkassen
Zusatzbeiträge erheben können, um Kostensteigerungen auszugleichen. Die
Arbeitgeber müssen sich nicht mehr an den Zusatzbeiträgen beteiligen.
So wollte die Union schon damals die Kopfpauschale durch die Hintertür
einführen: die Zusatzbeiträge als „kleine Kopfpauschale“.
* Um die Versicherten vor finanzielle Überlastung zu schützen, haben
wir durchgesetzt, dass die Höhe der "kleinen Kopfpauschale" auf ein
Prozent des Einkommens begrenzt wird.
* Bisher haben wir vor allem durch die Dämpfung der Gesundheitskosten
verhindert, dass Kassen Zusatzbeiträge erheben müssen. Schwarz-Gelb
lässt die Kassen jetzt mit steigenden Kosten im Regen stehen. Diese
werden komplett an sie und damit an die Versicherten durchgereicht.
Kopfpauschale verhindern!
Die Zusatzbeiträge sind der Einstieg, aber die schwarz-gelbe
Bundesregierung will die große Kopfpauschale. Nichts anderes meint sie,
wenn sie in ihrem Koalitionsvertrag, der von allen wichtigen Politikern
der CDU, der CSU und der FDP mitbeschlossen wurde, festhält:
"Langfristig wird das bestehende Ausgleichssystem überführt in eine
Ordnung mit mehr Beitragsautonomie, regionalen
Differenzierungsmöglichkeiten und einkommensunabhängigen
Arbeitnehmerbeiträgen, die sozial ausgeglichen werden. Weil wir eine
weitgehende Entkoppelung der Gesundheitskosten von den Lohnzusatzkosten
wollen, bleibt der Arbeitgeberanteil fest."
Was im Koalitionsvertrag noch technokratischschwammig formuliert wurde, bedeutet konkret:
* Gesetzlich Versicherte sollen künftig einen einheitlichen Beitrag
bezahlen (laut Berechnungen bis zu 200 Euro). Der Arbeitgeberbeitrag
wird festgeschrieben und steigt nicht weiter. Ergebnis: Die
Kopfpauschale wird schneller als die Löhne steigen.
* Wenn Schwarz-Gelb
dazu noch die Familienmitversicherung abschafft, müssen auch
mitversicherte Eheleute in Zukunft die Pauschale zahlen. Dann ist die
Kopfpauschale zwar etwas niedriger, aber Ehepaare zahlen doppelt.
* Weil bei vielen Menschen die Kopfpauschale höher ausfällt als ihr
heutiger Arbeitnehmeranteil an der Krankenversicherung, droht ihnen
finanzielle Überforderung. Je nach Berechnung werden so durch die
Kopfpauschale bis zu 40 Millionen Bürgerinnen und Bürger auf staatliche
Hilfen angewiesen sein. Das sind rund 80 Prozent aller Mitglieder in
der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kosten für die staatliche
Unterstützung werden auf rund 35 Milliarden Euro geschätzt! Und: Wenn
die Kopfpauschale steigt, steigt auch die Zahl der Hilfebedürftigen und
der notwendige staatliche Zuschuss. Hinzu kommt eine massive
zusätzliche Bürokratie, um die Kopfpauschale einzunehmen und zu
verwalten.
* Das Bundesfinanzministerium von Wolfgang Schäuble hat errechnet: Um
die Kopfpauschale zu finanzieren, müsste entweder die gesamte
Einkommensteuer um drei bis fünf Prozent oder der Spitzensteuersatz auf
73 Prozent oder aber die Mehrwertsteuer um 2,5 bis vier Prozent erhöht
werden.
* Fazit: Die Kopfpauschale zur Entlastung der Gutverdiener ist
unfinanzierbar. Schon jetzt ist der Bundeshaushalt so mit Schulden
belastet, dass niemand sagen kann wie weitere 35 Milliarden Euro
finanziert werden sollen – zumal Schwarz-Gelb noch mehr Steuersenkungen verspricht. Spätestens hier hat Schwarz-Gelb jeglichen Anspruch auf eine seriöse Politik und auf Glaubwürdigkeit verloren.
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