Die sozialdemokratische Partei ist die traditionsreichste deutsche
Partei. Seit mehr als 140 Jahren setzt sie sich für Freiheit und
soziale Gerechtigkeit ein. Wie keine andere Partei steht die SPD für
Demokratie und Fortschritt. Ihre Wurzeln reichen bis in die Zeit der
Revolution von 1848 zurück. Anlässlich des 140. Geburtstages am 23. Mai
2003 hat die SPD eine animierte Flashpräsentation konzipiert, die einen Einblick in die Geschichte der SPD gibt. Hier geht es zur Animation.
1848: Anfänge der deutschen Arbeiterbewegung
1863 - 1869: Gründung der Arbeiterparteien
1871 - 1878: Reichsgründung und Sozialistengesetz
1890 - 1891: SPD und Gewerkschaften im Aufwind
1914 - 1919: Weltkrieg und Revolution in Deutschland
1919 - 1933: Spaltung - Kampf um Demokratie - Niederlage
1933 - 1945: Widerstand und Emigration
1945 - 1949: Neubeginn und Teilung
1949 - 1969: Wiederaufbau, Kalter Krieg, Westintegration
1969 - 1982: Reformen, Demokratie, Frieden
1982 - 1989: Opposition, Erneuerung, deutsche Wiedervereinigung
1990 bis 2005: Die Zukunft gewinnen
2005 bis heute: Soziale Gerechtigkeit und Fortschritt im 21.Jh.
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1848: Anfänge der deutschen Arbeiterbewegung
Die
Frühindustrialisierung und das Bevölkerungswachstum lösen in den
Staaten des Deutschen Bundes Massenverelendung und tiefe
Strukturveränderungen der Wirtschaft aus. Noch widerstehen die
Regierungen dem Verlangen des Volkes nach nationaler Einheit und
Demokratie. Oppositionelle Bestrebungen werden scharf unterdrückt.
Kurz
vor und in der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 bis 1849
formieren sich erstmals zwei Strömungen der organisierten
Arbeiterbewegung: der recht kleine Bund der Kommunisten unter Führung
von Karl Marx und Friedrich Engels vornehmlich im Westen Preußens sowie
die Arbeiterverbrüderung mit annähernd 15.000 Mitgliedern unter der
Leitung von Stephan Born vornehmlich in Berlin, Sachsen und in Teilen
Nord- und Süddeutschlands. Erste Gewerkschaften entstehen. Die
Revolution scheitert, und die Anfänge der organisierten
Arbeiterbewegung werden unterdrückt.
1863 - 1869: Gründung der Arbeiterparteien
Während zwischen Revolution und Reichsgründung die
Industrialisierung ungemein an Fahrt gewinnt, liberalisiert sich das
politische Klima nach einem Thronwechsel in Preußen. Ferdinand Lassalle
gründet 1863 in Leipzig den "Allgemeinen deutschen Arbeiterverein", der
sich auf dem Gothaer Kongress 1875 mit der 1869 von August Bebel und
Wilhelm Liebknecht in Eisenach gegründeten "Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei" zur "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands"
vereinigt.
Zum
Teil eigenständig, zum Teil durch die Anstöße dieser Parteibildung,
formiert sich die deutsche Gewerkschaftsbewegung in Berufsverbänden
vornehmlich in der zweiten Hälfte der 1860er Jahre.
1871 - 1878: Reichsgründung und Sozialistengesetz
Die
Gründung des Deutschen Reichs nach dem Krieg gegen Frankreich, unter
Führung Bismarcks und Preußens, führt zu einem starken Wirtschaftsboom,
in dem die Gewerkschaftsbewegung belebt wird. Diese und die
Arbeiterparteien erleiden fortan zum Teil koordinierte
Unterdrückungsmaßnahmen durch die konservative Reichsleitung, die
Regierungen der Bundesstaaten und weite Kreise der Unternehmerschaft.
Nach zwei Attentaten auf Kaiser Wilhelm I.,
mit denen Sozialdemokraten nichts zu tun hatten, bringt Bismarck 1878
das Sozialistengesetz im Reichstag durch. Mit ganz wenigen Ausnahmen -
die Reichstagsfraktion besteht weiter - werden alle sozialistischen und
freigewerkschaftlichen Bestrebungen verboten. Sozialdemokraten werden
zu "vaterlandslosen Gesellen" erklärt, das vertieft die Spaltung der
Gesellschaft im Kaiserreich.
1890 - 1891: SPD und Gewerkschaften im Aufwind
Durch
die Industrialisierung nimmt der Anteil der Arbeiterschaft an der
Erwerbsbevölkerung im Deutschen Reich rasch zu. Trotz des
Sozialistengesetzes bleibt die Sozialdemokratie eine politische
Bewegung, die Unterstützung bei der arbeitenden Bevölkerung findet. Als
das Sozialistengesetz nicht wieder verlängert wird, erreicht die SPD -
so heißt sie seit 1890 - bei den Reichstagswahlen 1890 mit 19,7 Prozent
der Stimmen den höchsten Wähleranteil. Sie gewinnt fortan durchgängig
an Wählerstimmen hinzu, steht 1912 bei 34,8 Prozent und bildet nun auch
die stärkste Fraktion im Reichstag. Die Gewerkschaften, deren
Entwicklung in der Zeit des Kaiserreichs eng mit der SPD verbunden ist,
formieren sich 1890 neu und erzielen seit 1895 ungeheure
Mitgliederzuwächse.
Auf dem Erfurter Parteitag 1891 wendet sich die SPD eindeutig hin zu marxistischen Annahmen und Überzeugungen. Das "Erfurter Programm"
lehnt sich in seinem theoretischen Teil an die Gesellschaftsanalyse von
Marx und Engels an und fordert in seinem praktischen Teil
unverzügliche, tiefgreifende Reformen in Wirtschaft, Politik und
Gesellschaft. Mit Veröffentlichungen von Eduard Bernstein, Karl
Kautsky, Rosa Luxemburg und anderen setzen seit dem Ende des 19.
Jahrhunderts scharfe interne Auseinandersetzungen über die
theoretischen Grundlagen und den politischen Kurs der Sozialdemokratie
ein. Im Vorfeld der Sozialdemokratie entfaltet sich eine breite
Arbeiterkulturbewegung mit zahlreichen Kultur- und
Freizeitorganisationen. Vor allem gründen sich eigene Organisationen
für die Belange der sozialdemokratischen Frauen und Jugendlichen. Diese
Vereine und Verbände verstärken die Bindung der Mitglieder an die
Sozialdemokratie. Unter den sozialistischen Parteien, die sich 1889 in
Paris zur sogenannten II. Internationale zusammengeschlossen haben, erringt die SPD eine Führungsrolle.
1914 - 1919: Weltkrieg und Revolution in Deutschland
Obwohl
die SPD nach ihrem Programm eine Partei bleibt, die revolutionäre
Veränderungen in Wirtschaft und Politik fordert, wirkt sie teilweise in
den Kommunen, in manchen Ländern sowie insbesondere mittels ihrer engen
Verbindungen zu den Gewerkschaften an konkreten Reformvorhaben mit.
Nicht zuletzt unter dem Einfluss der Gewerkschaften entscheidet sie
sich bei
Ausbruch des von Deutschland maßgeblich mitverursachten Ersten
Weltkrieges für die Unterstützung des Reichs in der militärischen
Auseinandersetzung. Diejenigen Teile, die diesen "Burgfrieden" nicht mittragen wollen, gründen zunächst den Spartakusbund und, seit 1917, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD). Anfang 1919 entsteht aus einem lockeren Palamentsbündnis die Weimarer Koalition, das Regierungsbündnis aus Mehrheitssozialdemokratischer Partei Deutschlands (MSPD),
Zentrum und Deutscher Demokratischer Partei, aus dem das erste
Reichskabinett der Weimarer Republik hervorgeht. Bis zu den
Reichstagswahlen im Juni 1920 verfügt die Koalition über eine
parlamentarische Dreiviertelmehrheit.
Als
im Zuge der militärischen Niederlage eine breite Volksbewegung die
deutschen Monarchien hinwegfegt, übernehmen die Mehrheits- und die
Unabhängige Sozialdemokratie (MSPD, USPD) im "Rat der
Volksbeauftragten" die Reichsleitung und führen, von den
Mehrheitssozialisten unter Friedrich Ebert vorangetrieben, allgemeine,
gleiche Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung durch.
Erstmals gibt es in Deutschland ein Frauenwahlrecht, das die SPD schon im Erfurter Programm 1891 gefordert hatte. Als erste Frau spricht Marie Juchacz
1919 in einem deutschen Parlament. Im Zuge der Revolution werden die
Gewerkschaften endlich von der Unternehmerseite als Tarifpartner
anerkannt. Friedrich Ebert wird Reichspräsident. Die SPD wird zur
maßgeblichen politischen Kraft auf dem Boden der Weimarer Verfassung,
die sie als demokratische Grundordnung in weiten Bereichen mitgestaltet
hat.
Am linken Rand der politischen Arbeiterbewegung formiert sich an der Jahreswende 1918/19 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) als neue, revolutionäre Kraft. Die KPD
wird, indem sie den linken Flügel der Unabhängigen Sozialdemokraten an
sich bindet, zur Massenpartei und gerät bald unter den Einfluss des
sowjetischen Kommunismus. Die reformorientierten Teile der USPD vereinigen sich 1922 wieder mit der Mehrheitssozialdemokratie. Scheidelinie zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten ist die Frage der Demokratie; die Kommunisten streben eine Diktatur nach sowjetischem Vorbild an.
1919 - 1933: Spaltung - Kampf um Demokratie - Niederlage
Die Frühzeit der Weimarer Republik ist von scharfen innenpolitischen Auseinandersetzungen um den Versailler Friedensvertrag
und um die Konsolidierung der neuen Machtverhältnisse im Innern des
Reichs geprägt. Mit Hilfe eines Generalstreiks gelingt es im Frühjahr
1920, den reaktionären Kapp-Lüttwitz-Putsch niederzuschlagen. Erst in
der zweiten Hälfte der 1920er Jahre stabilisiert sich das politische
System. Die SPD kann, etwa im Bereich des Arbeitsrechts und der
Sozialpolitik, wichtige Reformen durchsetzen, die einen modernen
Sozialstaat zum Ziel haben. Sie führt die Regierungen in einer Reihe
von Bundesstaaten, vor allem Preußen, und wird auch in vielen
Großstädten bereits zur wichtigsten gestaltenden politischen Kraft.
Mit
dem Hereinbrechen der Weltwirtschaftskrise ab 1930 erstarken die
extremen Kräfte in der deutschen Politik. Die Arbeitslosigkeit nimmt
ein nie gekanntes Ausmaß an. Begünstigt durch konservative und
reaktionäre politische Kreise, die bis weit in das bürgerliche
Parteienspektrum hineinreichen, gewinnt die extreme Rechte in der
Hitler-Bewegung ungemein an Einfluss. Die anhaltende Spaltung der deutschen politischen Arbeiterbewegung,
die sich alltäglich in scharfen Auseinandersetzungen dokumentiert,
begünstigt diesen Aufstieg, verursacht ihn aber nicht. Ende Januar 1933
wird Hitler Reichskanzler.
Der
Terror der Nationalsozialisten gegen Kommunisten und Sozialdemokraten,
später auch gegen bürgerliche Kräfte, setzt ein. In der Abstimmung im
Reichstag über das Ermächtigungsgesetz,
mit dem alle bürgerlichen Parteien Hitler formell zum Diktator machen,
bäumt sich die deutsche Sozialdemokratie unter Führung von Otto Wels
als einzige politische Kraft gegen diese furchtbare Entwicklung auf.
1933 - 1945: Widerstand und Emigration
Nach
der nationalsozialistischen Machtergreifung werden Sozialdemokraten wie
auch andere Gegner des Nationalsozialismus verhaftet, misshandelt,
ermordet. Führungskräfte der Sozialdemokratie halten als Exil-Parteivorstand (Sopade)
zunächst von Prag, später von London aus die Führungsstruktur der
Sozialdemokratie aufrecht. Sie versuchen, Kontakt zu halten und, wo das
möglich erscheint, Widerstandszirkel zu organisieren. Solche
Widerstandsgruppen bilden sich vielfach im Arbeitermilieu, teilweise
auch unter dem Einfluss linkssozialistischer Gruppen.
Die
Sozialdemokraten, die seit den frühen 1920er Jahren energisch gegen die
Hitler-Bewegung gekämpft haben, setzen den Kampf fort und versuchen im Prager Manifest von 1934,
die demokratischen Kräfte zu bündeln. Trotz Annäherungen gibt es keine
Einigung mit den kommunistischen Exil- und Widerstandskräften.
Sozialdemokraten und Gewerkschafter wie Julius Leber und Wilhem
Leuschner beteiligen sich an dem gescheiterten Aufstandsversuch vom 20. Juli 1944 und werden von Hitlers Schergen umgebracht.
1945 - 1949: Neubeginn und Teilung
Die Zerstörung Deutschlands durch die nationalsozialistische Diktatur führt am 8. Mai 1945 in die bedingungslose Kapitulation und in die Aufteilung des Deutschen Reichs in Besatzungszonen.
Unter Kurt Schumacher, der eine Vereinigung mit den Kommunisten
kategorisch ablehnt, formiert sich in den Westzonen die SPD als eine
demokratisch-sozialistische Volkspartei, die eine Öffnung zu den
Mittelschichten anstrebt.
In der Ostzone gelingt es der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD)
unter Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht mit Unterstützung der
sowjetischen Machthaber, die starken sozialdemokratischen Kräfte in ein
Parteibündnis zu zwingen (Zwangsvereinigung 1946)
und die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als
diktatorische Einheitspartei zu konstituieren. Mehr als fünftausend
SPD-Mitglieder werden verhaftet, Tausende müssen flüchten. Kommunisten
besetzen die Schlüsselpositionen der neuen Partei, und der Freie
Deutsche Gewerkschaftsbund gerät unter deren Herrschaft.
In
den Westzonen können sich die Gewerkschaften zunächst unter der
Aufsicht der Westalliierten neu formieren. Sie überwinden ihre
richtungsgewerkschaftliche Spaltung und bilden 1949 in München den
Deutschen Gewerkschaftsbund als Einheitsgewerkschaft, die
parteipolitisch unabhängig ist, gleichwohl aber in ihren Zielen
vielfach mit der Sozialdemokratie übereinstimmt.
1949
entstehen die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche
Demokratische Republik (DDR); am Bonner Grundgesetz, das in den
Verfassungsberatungen des Parlamentarischen Rats vorbereitet wurde,
haben Sozialdemokraten, allen voran Carlo Schmid,
maßgeblich mitgewirkt. Die SPD erreicht im Westen bei den ersten Wahlen
zum Deutschen Bundestag 29,2 Prozent der Stimmen. Mit ganz knapper
Mehrheit kann die CDU
die Führung der jungen Republik übernehmen, während die SPD sich in der
Rolle der "konstruktiven Opposition" sieht. Sie wird nach Schumachers
Tod 1952 von seinem Nachfolger Erich Ollenhauer
geführt, der sich erfolgreich um den innerparteilichen Zusammenhalt von
Funktionären und Mitgliedern bemüht, dessen Erfolg bei den
Bundestagswahlen aber sehr begrenzt bleibt.
1949 - 1969: Wiederaufbau, Kalter Krieg, Westintegration
Als
Oppositionspartei im Bundestag gewinnt die SPD in den 1950er Jahren
immer stärkeren Einfluss in den Städten und Ländern. Außenpolitisch
zunächst von dem Vorrang der Wiedervereinigung geleitet, lehnt sie -
obgleich prinzipiell proeuropäisch orientiert - Adenauers Westpolitik
ab. Sie bejaht die Römischen Verträge und schwenkt Ende der 50er Jahre
auf den Kurs der Westintegration ein, ohne das Ziel der
Wiedervereinigung aus den Augen zu verlieren. In der Deutschen
Demokratischen Republik (DDR) haben am 17. Juni 1953 gegen den
Massenaufstand von Arbeitern nur noch sowjetische Panzer die Herrschaft
des SED-Regimes gerettet: Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen. 1961 vollendet der Mauerbau auch physisch die Spaltung des Landes.
Die SPD verabschiedet 1959 nach einem längeren kontroversen Diskussionsprozess das Godesberger Grundsatzprogramm
und öffnet sich damit endgültig zur Volkspartei. Sie gewinnt breite
Wählerschichten hinzu, nicht zuletzt aus kirchlich gebundenen Kreisen. Willy Brandt und Herbert Wehner führen die Partei in die Regierungsverantwortung - zunächst ab 1966 im Rahmen einer großen Koalition mit der CDU, seit 1969 in einer sozial-liberalen Koalition mit der FDP.
Dem
gehen wichtige Veränderungen auf der Ebene der Bundesländer, so 1966
die Übernahme der Regierungsverantwortung in Nordrhein-Westfalen, und
1969 die Wahl des Sozialdemokraten Gustav Heinemann
zum Bundespräsidenten voraus. In den meisten Großstädten der
Bundesrepublik hat die SPD in den 1950er und 1960er Jahren das
Vertrauen der Mehrheit der Wählerinnen und Wähler in der
Kommunalpolitik gewonnen.
1969 - 1982: Reformen, Demokratie, Frieden
Die
Zeiten sind reif für den Aufbruch aus konservativer Erstarrung und für
Reformen und neue Wege der Friedenssicherung und Entspannung. 1969 wird
Willy Brandt
der erste sozialdemokratische Bundeskanzler der Nachkriegsgeschichte.
Er ergänzt die Westintegration durch die "neue Ostpolitik", die durch
Verträge mit der Sowjetunion, Polen, der Tschechoslowakei und durch
einen Grundlagenvertrag mit der Deutschen Demokratischen Republik
(DDR), der durch weitere Verträge ausgefüllt wird, zu einem geregelten
Nebeneinander mit den kommunistisch regierten Ländern führt. Sie
erreichen Erleichterungen für die Menschen in Deutschland und stärken
die Verbindungen zwischen den beiden Teilstaaten. Für diese Politik, an
deren Entwicklung auch Egon Bahr einen wichtigen Anteil hat, erhält
Willy Brandt am 10. Dezember 1971 den Friedensnobelpreis.
Ende
der 1960er Jahre kann sich die SPD zugleich an die Spitze starker
Reformkräfte der westdeutschen Gesellschaft setzen, die auch von der
Studentenbewegung in Gang gesetzt worden sind. 1972 erringt Willy
Brandt einen überzeugenden Wahlsieg. In diesem Jahr gründet sich die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF)
und überholte Rechtsnormen, zum Beispiel der Paragraph 218, werden
reformiert. Die Regierung nimmt das Verlangen nach Gleichberechtigung
der Frau ernst und wird Anwalt eines modernen Ehe- und Familienrechts.
Nach Enttarnung eines DDR-Spions im Kanzleramt übergibt Willy Brandt 1974 das Amt des Bundeskanzlers an Helmut Schmidt.
Unter sozialdemokratischer Führung wird in den 1970er Jahren die Herausforderung des Links-Terrorismus überwunden, und es gelingt der
sozial-liberalen Regierung, die Folgen der Ölkrisen und andere
weltwirtschaftliche Turbulenzen zu meistern.
Die
Politik dieser beiden sozialdemokratischen Kanzler für ein modernes
Deutschland mehrt die soziale Gerechtigkeit durch den Ausbau des
Sozialstaats und verschafft der Bundesrepublik Deutschland
internationales Ansehen. Die Sozialdemokratie führt eine intensive
Debatte über Abrüstung, Rüstungspolitik und Friedenssicherung.
1982 - 1989: Opposition, Erneuerung, deutsche Wiedervereinigung
1982 verlässt die FDP
die sozialliberale Koalition und verschafft den Unionsparteien die
Mehrheit in Bonn. Die SPD wird auf die Rolle der Opposition
zurückgeworfen und beginnt einen anhaltenden Prozess programmatischer
Erneuerung, in dem sie ihre Rolle als demokratische Partei in einem
hochentwickelten Industrieland neu definiert und Antworten auf die
Herausforderungen durch die neuen sozialen Bewegungen formuliert. Als
politische Kraft erstarkt sie in den Landtagen und übernimmt
Regierungsverantwortung in der Mehrheit der Länder. Obwohl 1987 Willy
Brandt den Vorsitz der Partei in die Hände von Hans-Jochen Vogel
übergibt, bleibt seine Stimme in der Politik von Gewicht.
Sie
wird besonders deutlich gehört, als 1989 die Berliner Mauer fällt -
"Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört" -, die kommunistischen
Diktaturen zusammenbrechen und die beiden deutschen Staaten vereinigt
werden können. Noch unter der SED-Diktatur wird in der DDR von mutigen Bürgerrechtlern wie Markus Meckel und Martin Gutzeit die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP) als Bruderpartei der westdeutschen SPD gegründet; noch vor der deutsch-deutschen Vereinigung verschmelzen 1990 beide Parteien.
1990 bis 2005: Die Zukunft gewinnen
1989
wird in Berlin ein neues Grundsatzprogramm verabschiedet, das die
Ergebnisse der gesellschaftlichen und innerparteilichen Diskussion zur
sozialen und ökologischen Erneuerung der Industriegesellschaft bündelt.
Nach einer Phase, in der die Sozialdemokratie ihre Position in den
Ländern ausbaut, doch bundespolitisch in der Opposition bleibt, werden
"Innovation und Gerechtigkeit" die Leitbegriffe, unter denen die SPD
unter der Führung von Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder die
Bundestagswahl am 27. September 1998 gewinnt.
Der
neue Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Koalition aus
Sozialdemokraten und Grünen nehmen sich ein ehrgeiziges Reformprogramm
vor, das auf die Korrektur sozialer Ungerechtigkeiten, die Ordnung der
zerrütteten Staatsfinanzen, eine umfassende Steuerreform und
Investitionen in Zukunftsaufgaben zielt. Nach dem Rücktritt Oskar
Lafontaines von allen seinen Ämtern wird Gerhard Schröder im April 1999
auch Parteivorsitzender. Der Berliner Parteitag im Dezember 1999
bestätigt ihn in diesem Amt und wählt Franz Müntefering zum neuen
Generalsekretär der Partei. Die SPD war an der Jahrhundertwende wieder
die wichtigste gestaltende politische Kraft in Deutschland.
Unter sozialdemokratischer Führung hat eine umfassende
Modernisierung der deutschen Gesellschaft im europäischen Kontext
begonnen.
Das
Kabinett Schröder setzt wichtige Akzente für einen
gesellschaftspolitischen Aufbruch: Familien rücken in den Mittelpunkt
vieler politischer Initiativen und profitieren so von spürbaren
Entlastungen. Bildung und Forschung werden massiv gefördert - die
Investitionen für die Verkehrsinfrastruktur erreichen einen noch nie
dagewesenen Spitzenwert. Damit Deutschland wieder zusammenwächst, wird
der Solidarpakt verlängert und die Ausgaben für den Aufbau Ost werden
erhöht.
Außenpolitisch hat die Regierung Schröder große Herausforderungen zu
meistern: Im Kosovo-Konflikt sind deutsche Soldaten erstmals an einem
militärischen Einsatz beteiligt. Und auch in Mazedonien sorgen
Bundeswehrsoldaten für die Erhaltung des Friedens und verhindern einen
Bürgerkrieg. Ein souveränes Deutschland findet eine neue,
verantwortungsvolle Position in der internationalen Politik.
Am 11. September 2001 erschüttern die Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon in den USA
die ganze Welt. Deutschland ist von Beginn an ein wichtiger Partner in
der als Reaktion auf den Anschlag gebildeten "Koalition gegen den
internationalen Terrorismus". Nach der gezielten Bekämpfung der
Terror-Organisation "El Kaida" und der fundamentalistischen
Taliban-Regierung in Afghanistan begleitet die deutsche Regierung im
Verbund mit den europäischen Nachbarn den friedlichen und
demokratischen Neuanfang in Afghanistan. Dieser Zusammenhalt ist ein
Beleg dafür, dass Deutschland und vor allem Europa eine zunehmend
wichtigere Rolle in der Welt spielen.
Europa ist enger zusammengewachsen; zum 1.
Januar 2002 wird der gemeinsame europäische Wirtschaftsraum auch für
die Menschen erfahrbar. In einer beispiellosen Währungsumstellung wird
der Euro erfolgreich als gesamteuropäische Währung eingeführt.
Am 22.
September 2002 gewinnt Rot-Grün die Bundestagswahl. Die SPD wird zum
dritten Mal stärkste Partei im Deutschen Bundestag. Olaf Scholz, der
neue Generalsekretär, sagt, die 140 Jahre alte Partei pflege die
Tradition und sei zugleich offen für Neues. Unter der Kanzlerschaft
Gerhard Schröders macht sich die SPD auf den Sozialstaat zu erneuern,
um ihn zu erhalten.
Auf dem außerordentlichen Parteitag in Berlin am 21.
März 2004 wird Franz Müntefering zum Vorsitzenden der SPD gewählt.
Klaus Uwe Benneter übernimmt das Amt des Generalsekretärs der Partei,
neuer Bundesgeschäftsführer wird Karl-Josef Wasserhövel.
Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22.
Mai 2005 kündigen der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering und
Bundeskanzler Gerhard Schröder Neuwahlen an. Nach der Bundestagswahl am
18. September wird am
22. November die Regierung der großen Koalition unter Bundeskanzlerin
Angela Merkel und Vizekanzler Franz Müntefering vereidigt.
2005 bis heute: Soziale Gerechtigkeit und Fortschritt im 21. Jahrhundert
Auf
dem außerordentlichen Bundesparteitag in Karlsruhe vom 14. bis 16.
November 2005 wird der brandenburgische Ministerpräsident Matthias
Platzeck zum Vorsitzenden der SPD gewählt. Neuer Generalsekretär der
Partei wird Hubertus Heil.
Aus
gesundheitlichen Gründen muss Matthias Platzeck im April 2006 sein Amt
als SPD-Vorsitzender abgeben. Auf einem außerordentlichen
Bundesparteitag wird der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt
Beck zum neuen Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands gewählt. Dem Partner in der großen Koalition sagt er
Verlässlichkeit zu, kündigt aber gleichzeitig an, die SPD werde in dem
Regierungsbündnis sehr wohl erkennbar bleiben. Dazu gehöre unter
anderem auch die Sicherung eines funktionierenden Gemeinwesens durch
einen handlungsfähigen Staat.
In der Großen Koalition macht sie sich für den sozialen Zusammenhalt
stark, dafür, dass der wirtschaftliche Aufschwung, dessen Grundlagen
durch die Reformpolitik der Regierung Schröder gelegt wurden, bei allen
Menschen ankommt. Die Forderung nach gerechter Entlohnung macht sie
daher zu einem bestimmenden Thema für die zweite Hälfte der
Legislaturperiode.
Ein
klares Signal des Aufbruchs setzt der Bundesparteitag Ende Oktober 2007
in Hamburg: Kurt Beck wird mit überragenden 95,5 Prozent im Amt des
Parteivorsitzenden bestätigt, und auch seine Initiative für eine
personelle Konzentration an der Parteispitze findet breite Zustimmung
unter den Delegierten: Neue stellvertretende Vorsitzende sind
Frank-Walter-Steinmeier, der nach dem Rückzug Franz Münteferings aus
der Regierung auch die Vizekanzlerschaft übernimmt, Andrea Nahles und
Peer Steinbrück.
Den
festen Gestaltungswillen der Sozialdemokratie für das 21. Jahrhundert
dokumentiert auch das in Hamburg beschlossene neue Grundsatzprogramm:
Als erste Partei in Deutschland entwirft die SPD einen klaren
politischen Rahmen für die wirtschaftliche Globalisierung.