Aus dem Bericht
von Oberbürgermeister Frank Szymanski
auf der
44. Stadtverordnetenversammlung
am 30. Januar 2008
"Ich beginne wie immer mit dem angenehmsten Teil, mit unseren
Geburtstagskindern! Herzliche Grüße zum Wiegenfest gehen an Dr. Martina
Münch, Matthias Schulze, Reinhard Drogla, Jürgen Maresch, Andre
Rudolph, Klaus Werner und Marion Hadzik. Wir wünschen Gesundheit, alles
Glück der Welt und weiterhin Kraft für die Arbeit im Dienste der
Bürgerinnen und Bürger.“
„Das Sportjahr 2008 hat ja bereits mit dem Neujahrslauf des SV
Dissenchen 04 begonnen und wurde sozusagen offiziell in den Räumen der
Sparkasse Spree- Neiße mit der „Sportlerwahl“ sowie der Auszeichnung
Ehrenamtlicher eingeleitet. Die dabei gezogene Bilanz der
Sportentwicklung kann sich sehen lassen. So hat sich der Trend des
Mitgliederzuwachses im Stadtsportbund im Jahr 2007 fortgesetzt.
Erstmalig ist die 20.000- Grenze überschritten. Somit sind 19,7% oder
fast jeder 5. Bürger unserer Stadt sportlich in den 142 Sportvereinen
engagiert. Positiv sind auch die Aktivitäten im außerunterrichtlichen
Sport, im Kinder- und Jugendsport, im Nachwuchssport, mit leichten
Abstrichen im Spitzensport und im Bereich der nationalen und
internationalen Sportveranstaltungen zu bewerten.
An dieser Stelle:
Dankeschön den über 2.000 Ehrenamtlichen für die geleistete Arbeit
im Sport im Jahr 2007 für die Stadt Cottbus!
Die heiße Phase der Olympiavorbereitungen hat begonnen. Auch Sportler
unserer Leistungszentren wie Robert Juckel, Philip Boy, Maximilian
Levy, Angela Brodka, Trixi Worrack, Luise Keller, Roger Kluge und Olaf
Pollack bereiten sich mit Ihren Trainern auf diesen Höhepunkt des
Weltsports vom 8. bis 24. August 2008 in Peking vor. Wünschen wir
unseren Olympiakandidaten alles Gute, Gesundheit und viel Erfolg für
die Vorbereitungen und bei den Spielen selbst.
Gleiche Wünsche begleiten die Mannschaft und den gesamten FC
Energie auf dem steinigen Weg zum Klassenerhalt in der 1. Bundesliga.
Drücken wir dem Team, seinen Trainern und allen, die für das „Wegräumen
der Steine“ zuständig sind, die Daumen und glauben an den
Klassenerhalt.
Dass unsere „Sportfamilie“ in der Lage ist, Tolles zu leisten,
zeigt auch der neue Sportkalender 2008 (erstmalig auch mit ausgewählten
Sportveranstaltungen unserer Partnerstadt Zielona Góra), der hier
ausliegt sowie der heutige sportliche Höhepunkt, das Springermeeting
des Leichtathletikclubs in der Lausitz- Arena, wofür ich den
Organisatoren viel Erfolg wünsche.“
„Ich danke allen, die zum Gelingen des Neujahrsempfangs beigetragen
haben. Die meisten von Ihnen erlebten den kommunikativen Abend in der
Oberkirche selbst. Wir hätten zur Eröffnung des Jahres der Kultur und
Wirtschaft keinen besseren Ort finden können. Dem Gemeindekirchenrat,
der letztlich die Entscheidung für die Örtlichkeit traf, gebührt unser
herzlicher Dank.
Der Neujahrsempfang unterstrich nachdrücklich das Neue in der
Stadt. Wir reden miteinander. Wir setzen uns gemeinsam Ziele. Der
Neubeginn in Cottbus wird im Land mit Respekt und Anerkennung
wahrgenommen. Es liegt an uns, die begonnene Gemeinsamkeit zu
verstetigen und damit den guten Ruf von Cottbus ins Land zu tragen.
Cottbus hat sich zurückgemeldet und will zeigen, was es kann.“
„Mit dem Neujahrsempfang gaben wir den kommunikativen Auftakt für das
Jahr der Kultur und Wirtschaft. Absoluter Höhepunkt dieses Jahres ist
ohne Zweifel die Festwoche zum Theatergeburtstag. Mit dem Staatstheater
besitzen wir etwas ganz Außergewöhnliches. In wirtschaftlich guten
Zeiten erbaute die feinsinnige Cottbuser Bürgerschaft das Haus. In
weniger guten Zeiten wurde es bis 1986 rekonstruiert, und im
vergangenen Jahr beendeten wir umfangreiche Arbeiten innen und im
Außenbereich. Mit den „Zonenrandermutigungen“ und bedeutenden
Operninszenierungen gab Cottbus immer wieder Anregungen für die
Theaterkunst in Deutschland. Wir freuen uns auf die bevorstehende
Geburtstagsfeier.
Aber auch das zweite Ereignis des Kulturjahres hat es in sich. Das
Jahr 2008 wird vielleicht in der Zukunft eine ähnliche Bedeutung
erhalten wie das Jahr der Theatereröffnung genau hundert Jahre zuvor.
Ein wahrlich kühner Traum geht in Erfüllung. Was zunächst als
Phantasterei bezeichnet wurde, am Amtsteich wird es Realität. In
wirtschaftlich durchaus schwierigen Zeiten bauen sich die
Cottbuserinnen und Cottbuser eine neue Heimstatt für die
Kunstsammlungen von Stadt und Land. Hier werden Elemente
zusammengefügt, die gemeinsam etwas Einmaliges ergeben: die originelle
Cottbuser Kunstszene, die Sammlung aus der Sprem und das
architektonische Kleinod Dieselkraftwerk und dies alles am historischen
Amtsteich! Anspruchsvoller geht es nicht. Die Eröffnung ist am 8. Mai
geplant.“
„Wenn wir vom Jahr der Kultur und Wirtschaft in Cottbus sprechen,
dann schließt das immer auch sorbisch (wendische) Kultur. Sie stellt in
unserer Stadt und der Region einen unschätzbaren Wert dar.
In diesem Jahr begehen wir das 10-jährige Jubiläum des Bestehens
des Witaj-Projektes. Witaj heißt willkommen. Vor 10 Jahren wurde in der
Kindertagestätte „Mato Riso“ in Cottbus-Sielow begonnen, nach der
Immersionsmethode Kinder in der niedersorbischen Sprache zu erziehen.
Das Witaj-Projekt ist Hoffnung für den Erhalt und die Revitalisierung
der sorbischen (wendischen) Sprache und Kultur.
Für eine stabile Weiterentwicklung der sorbischen (wendischen)
Sprache und Kultur ist aus unserer Sicht aber auch eine stabile und
ausreichende Förderung der Stiftung für das sorbische Volk durch den
Bund, den Freistaat Sachsen und das Land Brandenburg notwendig.
Über die Sperrung der Mittel werden in den nächsten Tagen
Gespräche geführt mit Land und Bund. Es muss eine Entsperrung der
Mittel geben. Gemeinsam, unter Mitwirkung der Abgeordneten, muss es
gelingen, die Planungssicherheit im Staatsvertrag zu gewährleisten, um
die weitere Förderung der Stiftung für die Pflege und den Erhalt der
sorbischen/wendischen Sprache und Traditionen gewährleisten.“
„Mit seiner Faustinszenierung hat sich Christoph Schroth zurückgemeldet
und am vorletzten Wochenende einen gewichtigen Beitrag zum Jahr der
Kultur und Wirtschaft geleistet. Der Cottbuser Faust brachte es dann
auch gleich in die Kulturseiten der Frankfurter Allgemeinen. Von einer
„eindringlich konzentrierten Aufführung“ ist hier die Rede, von der
Warnung vor einer Welt, die keinen Begriff von sich hat, nur Parolen,
und keine Melodie, nur Alarmsignale.
Jedenfalls ist die Faustversion aus der Niederlausitz ein Beitrag zur Diskussion um die brennenden Fragen unserer Zeit.
Auch Wahlkämpfer finden übrigens im Faust manche Anregung:
‚Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen,
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.’ „
„Ein Firma und das Schulamt Cottbus hatten der Stadt Cottbus
vorgeschlagen, im Rahmen eines Modellversuchs in ausgewählten Schulen
der Sekundarstufe I und dort in jeweils zwei Klassen ab Klasse 7
Schülernotebooks einzuführen. Acht Schulen hatten sich zur Teilnahme
bereit erklärt.
Aber bei gründlicher finanzieller Betrachtung ergibt sich folgendes Bild:
Bei 48 Monaten Laufzeit kommen auf den Schulträger jährliche Kosten in
Höhe von etwa 200.000 € zu (180 T€ Investition, 20 T€ Betriebskosten).
Außerdem ist zu erwarten, dass zahlreiche Eltern die Kosten für den
Erwerb des Notebooks nicht tragen können (ca. 25 € pro Monat bei 4
Jahren Laufzeit). Dadurch können weitere Kosten für den Schulträger
durch die Anschaffung von schuleigenen Laptops entstehen.
Dieses von der Wirtschaft inszenierte Modell würde auf diese Weise
in die Schulen implantiert. Die weitreichenden Folgen für die Arbeit
mit Lehrbüchern, die Bedeutung von persönlichen Aufzeichnungen und die
Ausprägung der Handschrift sind durchaus Aspekte, denen sich die
Lehrerschaft in ihrer Gesamtheit stellen muss. Wenn die Notebooks als
Taschenrechner und Schreibmaschine benutzt würden, wäre nicht viel
gewonnen. Ich wünsche mir eine Schule, die ein Konzept entwickelt, eine
Schule, in der von Lehrern und Schülern die Basis für die Umsetzung
dieses wertvollen Gedankens ausgeht.
Wir sollten den hochinteressanten Gedanken also durchaus
weiterentwickeln. Vielleicht findet sich dann ja auch ein Sponsor in
der Industrie. „
„Gestern wurde die Nutzungsvereinbarung zwischen der Stadt Cottbus
und dem Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. zur Entwicklung einer
Gedenkstätte auf der Fläche der früheren Justizvollzugsanstalt
unterzeichnet.
Das ist nur scheinbar ein formaler Verwaltungsakt. Mit der
Nutzungsvereinbarung bekennen sich die Stadt und ihre Bürger zu einem
schwierigen Kapitel der jüngeren Geschichte. Cottbus überlässt dem
Menschenrechtszentrum nicht nur Teile der ehemaligen Haftanstalt. Sie
übernimmt auch Verantwortung für die Gestaltung der Stätte des
Gedenkens.
Das 1860 fertiggestellte Gefängnis war in seiner langen Geschichte
zwei Mal ein Ort der Vollstreckung von Unrechtsurteilen, ein Ort der
Rechtsbeugung, von Misshandlung und Willkür.
Jetzt sind die Grundlagen für die Entstehung einer würdigen
Gedenkstätte vorhanden. Ziel ist nicht nur ein Ort des Gedenkens an die
Opfer zweier Diktaturen. Anliegen des Zentrums, der Stadt und der
ehemaligen Häftlinge ist auch die Menschenrechtsarbeit für Verfolgte in
gegenwärtigen Diktaturen.“
„Zum Thema Stadtentwicklungskonzept und strategische, nachhaltige
Stadtentwicklung! Dieses Konzept beinhaltet 13 Vorschläge für die
EU-Förderung, acht Maßnahmen für reguläre Wachstumskerne und fünf
Projekte aus dem InterReg 4A-Bereich Cottbus - Zielona Gora.
All diese strategischen, auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
orientierten Maßnahmen werden Millionen für die Stadt bringen. Die
richtigen Prioritäten zu setzen, ist Aufgabe der Stadt, die in den
Haushalt aufgenommen werden muss.
Beim notwendigen Nachweis der Nachhaltigkeit wird besonders das
Stadtforum von Bedeutung sein, welches in den kommenden zehn Jahren
entlang der Bahnhofstraße den Schwerpunkt der strategischen
Stadtentwicklung in der Innenstadt bilden wird.
Notwendig dazu ist die Erfassung der Verkehrsmenge in der Bahnhofstraße.
Mit dem mittleren Ring, mit einer weiteren verkehrlichen
Erschließung an den Technologie- und Industriepark, mit der Gestaltung
der Bahnhofstraße und den Bahnhofsvorplatz als Zentrum des öffentlichen
Personennahverkehrs werden Schwerpunkte gesetzt.“
„Hintergrund der Projektidee eines überdachten Sitzplatzes war, dass
seit mehreren Jahren der Treffpunkt von Bürgern, unter anderem auch
Trinkern, unmittelbar vor Manni`s Markt zu einem Problem für den
vorderen Bereich des Boulevards in Sachsendorf wurde. Insbesondere die
Bewohner der anliegenden Wohnblöcke in der Albert-Schweitzer-Straße
befürchten, dass dieser Sitzplatz in den späten Abendstunden ein
weiterer Anziehungspunkt für Gruppen wird, die dann eine fortwährende
und vor allem nächtliche Ruhestörung im Umfeld verursachen.
In einer Podiumsdiskussion im Soziokulturellen Zentrum am 23. Januar
2008 wurden mit den zahlreich erschienenen Bürgern, Mitgliedern der
Vereine, des Stadtteilmanagements, der GWC GmbH und der Stadtverwaltung
auch alternative Standorte beraten. Fazit des Abends: Es bedarf
weiterer Abstimmungen zur Findung einer akzeptablen Standortlösung
zwischen der betroffenen Personengruppe, den Anwohnern, den
Gewerbetreibenden sowie der GWC GmbH und der Stadt. Man muss mit den
Betroffenen reden.“
„Unter Leitung des Stadtpräsidenten Janusz Kubicki weilte die
Stadtspitze Zielona Gora am 17.Januar zu einem Arbeitsgespräch in
Cottbus.
Die dritte Beratung dieser Art diente der weiteren und gemeinsamen
Vorbereitung von vier Leitprojekten, die im Rahmen der
grenzüberschreitenden EU-Förderung INTERREG IV A finanziert werden
sollen.
Noch in diesem Jahr sollen zwei Projektanträge gestellt werden. Dabei
handelt es sich um restauratorische Vorhaben im Branitzer Park in
Cottbus und im Piastenpark in Zielona Gora sowie die Vernetzung der
Tourismuszentralen beider Städte. Weitere Gespräche sind dazu im
Februar und April in Zielona Gora geplant.“
„Durch die Gepro Bau wurden am 20. Dezember aktuelle Entwürfe für
die Gestaltung des 2. BA sowie Schriftsätze mit Angeboten zum Nachweis
des ruhenden Verkehrs, der Ablösung von Stellplätzen sowie der von
Gepro Bau geplanten Miet- und Verkaufsraumflächen übergeben.
Nach dem Abstimmungsgespräch am 18. Januar zwischen Stadt, Gepro Bau
und GWC werden nunmehr die ursprünglich abgestimmten Rahmenbedingungen
für die Gestaltung des 2. BA teilweise eingehalten. Das betrifft die
Verkaufsfläche (4.500 m²), die Bauhöhe und die Einbindung der
Gewerbeeinheiten der Wohnscheibe.
Weitere Abstimmungen zwischen der Stadt, Gepro Bau und der GWC
sind hinsichtlich der räumlichen Ausdehnung des Baukörpers, der
Dimensionierung und Gestaltung des öffentlichen Raumes sowie zur
Klärung der Anlieferung für den 2. BA und den Nachweis /die Ablösung
der erforderlichen Stellplätze notwendig.
Weitere Aktivitäten zur Einleitung des Änderungsverfahrens zum
Bebauungsplan „City-Galerie Stadtpromenade Cottbus“ erfolgen erst nach
der inhaltlichen Klärung der offenen Probleme.“
„Auch die Cottbuser erfuhren am 30. Januar von der Ernennung Hitlers
zum Reichskanzler. Nur wenige ahnten damals, dass das Ereignis der 1.
Teil des düstersten Kapitels der Stadtgeschichte werden sollte. Der
Cottbuser Fackelzug am 30. Januar, die vorbeiziehenden Abteilungen von
NSDAP, SA und SS, der Rausch der Fahnen, Flitter und Standartengold,
verklärten vielen unserer Vorfahren den Blick. Aber der Marsch führte
geradewegs ins Verderben. Die Vernichtung der einst blühenden
Mittelstadt am 15. Februar 1945 war das Ende dieses Weges.
Nach dem denkwürdigen Tag vor 75 Jahren nahm die Cottbuser
Geschichte ihren Lauf: Zunächst wurden die Mandate der KPD in der
Stadtverordnetenversammlung für ungültig erklärt. Vor den
Kommunalwahlen am 12. März verhafteten Rollkommandos Kommunisten und
jetzt auch Sozialdemokraten. Im Ostrower Damm 10, in dem berüchtigten
SA-Lokal, sammelte man die Gefangenen.
Den Cottbuser Oberbürgermeister Dr. Erich Kreutz schickte die so
von Linken gereinigte Stadtverordnetenversammlung sofort in die Wüste.
Die folgenden Ereignisse sind bekannt. Auf den Boykott jüdischer
Geschäfte und Firmen folgte die vollständige Vernichtung der Jüdischen
Gemeinde. Unzählige Cottbuser ließen im Nazikrieg ihr Leben.
Eine der grausamste Erinnerung an diese Zeit: Im Cottbuser
Frauenzuchthaus – und damit sind wir wieder bei unserem
Menschenrechtszentrum – mussten die weiblichen politischen Häftlinge
blutige und verschmutzte Kleidung von ermordeten Opfern der
faschistischen Vernichtungslager trennen und sortieren.
Am Ende, am 22. Februar, befreite die Rote Armee eine zerstörte Stadt mit noch 8000 Einwohnern.
Das Wachhalten der Erinnerung an die vergangenen Diktaturen ist deshalb
eine sehr aktuelle Aufgabe. Den Gästen der Stadt, unseren ausländischen
Mitbürgern gegenüber, aber besonders unseren Kindern müssen wir stets
erneut zeigen, dass wir aus dieser dunklen Zeit gelernt haben, dass wir
jegliche Form von Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit
ablehnen und Gesicht zeigen.“